Suchfunktionen für knausrige Webmaster
Stand vom 26.04.2003
von Roman Koch
Eine Suchfunktion für die eigene Seite, das hört sich
schwerer an, als es in Wirklichkeit ist. Hier erfahren Sie, wie
Sie ihre Seite mit einer Suchfunktion ausstatten, was diese ihnen
bringt, und wo die Grenzen liegen.
Ab einer bestimmten Grösse, vielleicht etwa ab 50 Seiten,
werden Web-Sites für die Besucher unübersichtlich. Verschiedene
Usability-Studien zeigen, dass die Besucher sich nur selten
die Zeit nehmen, um die innere Struktur einer Web-Site zu verstehen
oder das Navigationssystem zu benützen. Webmaster stellen deshalb
oft zusätzlich zum Navigationssystem eine Suchfunktion zur
Verfügung, mit der die Besucher den Inhalt einer Web-Site
gezielt durchsuchen können. Im Gegensatz zu den grossen Suchmaschinen
wie Altavista oder Yahoo beziehen sich solche lokalen Suchfunktionen
nur auf eine bestimmte Web-Site (Domain) und geben auf Suchbefehle
nur Resultate aus dieser Web-Site zurück. Webmaster können
lokale Suchfunktionen mit unterschiedlich aufwendigen Techniken
implementieren.
Der Webmaster einer kleinen Web-Site, wie sie typischerweise von
Privaten oder Kleinen Firmen betrieben werden, steht dabei vor folgenden
Problemen:
1. Die Web-Site wird auf dem Server eines Providers betrieben,
und der Betreiber stellt keine lokalen Suchfunktionen zur Verfügung.
2. Der Betreiber stellt lokale Suchfunktionen zur Verfügung,
verlangt aber dafür zusätzliche Gebühren.
3. Das Wissen oder die Zeit zum Aufbau einer eigenen lokalen Suchfunktion
über CGI, oder PHP Skripte fehlt.
Entfernte und lokale Suchmaschinen
Suchmaschinen können entfernt oder lokal implementiert sein. Entfernte Suchmaschinen indexieren den Inhalt anderer Server aus Distanz, während lokale Suchmaschinen nur ihren eigenen Inhalt indexieren.
Bausteine einer entfernten Suchmaschine
Grosse öffentliche Suchmaschinen wie z.B. Google bestehen aus drei Bausteinen. Der Spider (auch Robot oder Crawler genannt) ist ein Programm, der Webseiten auf dem ganzen Internet liest, sich durch die Hyperlinks durchhangelt und die gefundenen Informationen in einer Datenbank, dem Index, ablegt. Der Index kann alle Wörter der gefundenen Dokumente oder nur Zusammenfassungen enthalten. Die Engine schliesslich stellt dem Besucher ein Suchformular zur Verfügung, durchsucht den Index aufgrund der Eingaben und gibt eine Resultatliste zurück.
Die Qualität der grossen öffentlichen Suchmaschinen
hängt davon ab, wie oft der Spider Aktualisierungen von Webseiten
abholt, wieviele Seiten insgesamt indexiert werden, und wie gut
(im Sinne von: den Erwartungen des Besuchers entsprechend) die Engine
die Suchanfrage in Resultate umzusetzen versteht. Je grösser
und aktiver eine Web-Site ist, und je mehr sie von anderen Sites
referenziert wird, desto aktueller ist üblicherweise der Index
der Suchmaschinen, und desto besser ist die Site üblicherweise
in den Resultatlisten platziert.
Bausteine einer lokalen Suchmaschine
Die lokale Suchmaschine indexiert nur Dokumente auf dem eigenen
Server (bzw. auf der eigenen Domäne); sie benötigt
also keinen Spider. Der Indexer kann die Dokumente laufend
und vollständig indexieren; oft ist eine lokale Suchmaschine
deshalb viel aktueller und präziser als die grossen
entfernten Suchmaschinen.
Wenn man etwa direkt (lokal) bei Amazon nach einem Film oder einem
Buch sucht, wird man vermutlich fündig. Die Chance, dass auch
Altavista das gleiche Buch im Amazon-Kalatog findet, ist dagegen
wesentlich kleiner.
Lösungsansätze für lokale Suchfunktionen
Eine lokale Suchmaschine ist die ideale Lösung für Webmaster,
die gezielt für ihre Site eine Suchfunktion zur Verfügung
stellen wollen.
Wer seine Web-Site von einem Internet Service Provider betreiben
(hosten) lässt, kann unter Umständen die lokale
Suchmaschine des Providers benützen, etwa den Index Server
oder die FrontPage Extensions (WAIS) bei Providern, die Microsoft-Produkte
einsetzen.
Allerdings bieten nicht alle Provider ihren Hosting-Kunden auch lokale Suchfunktionen an, oder sie verlangen dafür zusätzliche Gebühren. Selbst wenn der Provider lokale Suchfunktionen zur Verfügung stellt, hat nicht jeder Webmaster die Zeit oder das Geld zur Verfügung, um diese auch einzusetzen. Hier stehen zwei Alternativen im Vordergrund:
Der Webmaster kann sich ganz auf die Aktualtiät und Vollständigkeit
von öffentlichen Suchmaschinen verlassen und deren Leistung
durch die Hintertüre für seine lokale
Suchfunktion nutzen.
Der Webmaster kann einen Indexierservice in Anspruch nehmen, mit
dem eine entfernte Suchmaschine gezielt die eigene Web-Site durchsucht
und indexiert.
Beide Ansätze sind sehr einfach und kostengünstig (für
kleine Web-Sites sogar gratis) in der Implementation.
Google durch die Hintertüre
Alle grossen öffentlichen Suchmaschinen bieten eine erweiterte Suchfunktion an, mit der die Suche auf bestimmte Web-Sites eingeschränkt werden kann. Für Google kann die Suche nach “HTML” beispielsweise auf die Domäne von devmag.net eingeschränkt werden:
html site:devmag.net
Google-Benützer können sich ihre wiederkehrenden Suchbefehle damit auch gleich als Bookmark speichern:
http://www.google.ch/search?as_q=adobe site:infoweek.ch
Und Webmaster können sich diese Möglichkeit mit einem kleinen Formular und einem kleinen Script in die eigenen Seiten einbauen (wobei sie “infoweek.ch” natürlich durch ihren eigenen Domänennamen ersetzen):
<script type="text/javascript">
function Suche()
{
var mySearch = "http://www.google.de/search?as_q=";
mySearch += document.myform.mytext.value;
mySearch += " site:romankoch.ch";
self.location = mySearch;
}
</script>
<form name="myform">
<input type="text" name="mytext" size="10"
maxlength="255" value="">
<button name="submit" onclick="Suche()">
Suchen
</button>
</form>
Dass die Sache funktioniert, lässt sich leicht überprüfen. Geben Sie im untenstehenden Eingabefeld einen Begriff ein, wie er typischerweise auf www.devmag.net vorkommt, etwa “HTML” oder “CSS”. Google wird Ihnen eine Resultatseite anzeigen; benützen Sie danach die Zurück-Taste Ihres Browsers, um zu dieser Seite zurückzukehren:
Die lokale Suche durch die Hintertüre ist sehr einfach zu implementieren,
aber sie hat auch einige gravierende Nachteile. Der Webmaster hat
keine Kontrolle über
- die Häufigkeit der Aktualisierung
- die Vollständigkeit des Index.
Für Web-Sites, die nur selten ändern, kann diese Methode trotzdem eine passable Lösung sein. Ob die Betreiber von Google (oder anderer Suchmaschinen, die ähnliche Funktionen zur Verfügung stellen) an dieser Lösung Freude haben, ist eine andere Frage...
Indexierservices
Verschiedene Firmen, etwa FreeFind oder Atomz, haben den Bedarf nach einfach einzusetzenden lokalen Suchfunktionen erkannt, und sie verstehen, dass nicht jeder Webmaster die lokale Suchmaschine seines Servers (insbesondere wenn er einem Provider gehört) nutzen kann oder will. Sie bieten ihren Kunden deshalb eine anpassbare entfernte Suchmaschine an. Wie öffentliche Suchmaschinen auch benützen diese Firmen also einen Spider, aber dieser Spider saust nicht blindlings und ungefragt auf allen möglichen Web-Sites herum, sondern macht das gezielt und im Auftrag des Kunden. Einige dieser Provider bieten den Service für kleine Web-Sites sogar gratis an; der Kunde macht dann, indem er den Service nutzt, Werbung für das Unternehmen.
Um einen Indexierservice zu benützen, sind folgende Schritte notwendig:
- Anmeldung als neuer Kunde beim Indexierservice
- Empfang des Benützernamens und Passwortes, meistens über Mail
- Erstmalige Indexierung der eigenen Web-Site durch den Spider des Indexierservices
- Einbau des Suchformulars (gemäss Vorlage des Indexierservices) in die eigenen Seiten.
Der Indexierservice bietet seinen Kunden oft recht ausgefeilte Funktionen an, von denen einige unter Umständen kostenpflichtig sind:
- Der Zeitpunkt und der Umfang der Indexierung kann frei gewählt werden
- Die Indexierung kann manuell oder kalendergesteuert ausgelöst werden
- Die Darstellung der Resultatseite kann (innerhalb gewisser Grenzen) angepasst werden
- Erweiterte Suchfunktionen (boolsche Verknüpfungen, Änderungsdatum usw.) können eingesetzt werden
- Das Log der Suchbefehle kann analysiert werden.
Der Webmaster hat mit einem Indexierservice ein Mittel zur Hand, mit dem er in einer halben Stunde eine vollständige lokale Suchfunktion für seine Web-Site einrichten kann — und dies, falls die Site eine bestimmte Grösse (bei Atomz etwa 500 Seiten) nicht überschreitet, sogar gratis.
Tipps für den Einsatz der lokalen Suchfunktion
Usability-Tests haben gezeigt, wie die Besucher einer Web-Site die lokale Suchfunktion einsetzen:
- Sie benützen die Suchfunktion nur, wenn sie auf jeder Seite (etwa im Navigationssystem) zur Verfügung steht. Suchfunktionen, die zuerst über eine eigene Suchseite aufgerufen werden müssen, werden kaum genutzt.
- Sie benützen nur die einfache Version der Suchfunktion. Die erweiterten Funktionen mit boolschen Operatoren und anderen mächtigen Hilfsmitteln werden nicht genutzt.
Webmaster, welche die einfache Suchfunktion (mit nur gerade einem Eingabefeld) auf jeder Seite platzieren, schaffen damit ihren Besuchern einen echten Mehrnutzen. Zudem können sie (sofern sie einen Indexierservice einsetzen) das Log der Suchbefehle durchsuchen und so herausfinden, wonach ihre Besucher suchen, was ihnen also wirklich wichtig ist.
Zusammenfassung
Lokale Suchfunktionen sind eine echte Bereicherung für die Besucher
einer Web-Site, und gleichzeitig ein wichtiges Analyseinstrument
für den Webmaster. Wer die lokale Suchfunktion nicht auf seinem
Server einrichten kann oder will, kann öffentliche Suchmaschinen
“durch die Hintertüre” nutzen oder einen Indexierservice in Anspruch
nehmen. Der Indexierservice ist mächtiger, aktueller und, sofern
die Anzahl der Seiten bei wenigen Hundert liegt, oft gratis. (rk)
http://www.romankoch.ch

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