ACSS - Aural Cascading Style Sheets Sehbehinderte Menschen haben es im Internet nicht leicht. Das W3C hat mit ACSS nun eine Möglichkeit geschaffen, wodurch spezielle Browser Seiteninhalte vorlesen können, die mit Hilfe eines ACSS-Stylesheet "gestaltet" wurden.

Vorweg muss leider erwähnt werden, dass bisher kein Browser diese Technik unterstützt. ACSS ist aber für alle Sehbehinderten eine große Hoffnung .
Das Konzept der Aural Cascading Style Sheets sieht vor, dass spezielle Browser die Inhalte einer mit ACSS "gestalteten" Webseite vorlesen sollen. ACSS-Befehle werden ab der CSS-2-Version unterstützt. ACSS wird jedoch bisher noch von keinem Browser oder Ausleseprogramm unterstützt.
Für das "normale" Auslesen von Texten gibt es jedoch bereits Programme, die diese Aufgaben übernehmen. Diese Programme können nicht betont lesen und bestehen meist aus nur einem Sprecher. So verliert ein Text an Charakter, er ist nicht mehr so "lesenswert".
Mit ACSS ist es demgegenüber z.B. möglich, dass auf einer FAQ-Seite die Fragen von einer weiblichen Stimme vorgelesen und die Antworten von einer männlichen Stimme gegeben werden.
Man kann bei Fachbegriffen wie "HTML" oder "CSS" definieren, dass diese Zeichenkette nicht als Wort, sondern Buchstabe für Buchstabe vorgelesen wird. Das alles ist mit modernen Auslesegeräten bisher noch nicht möglich. ACSS soll dementsprechend mit dafür sorgen, dass die Auslesegeräte noch benutzerfreundlicher werden und der Hörer auch das zu hören bekommt, was auf dem Bildschirm steht.

Stimmen

Die ACSS-Befehle werden wie normale CSS-Anweisungen verwendet. So definiert folgendes ACSS-Style, dass fett gedruckte Texte von einer männlichen Stimme und schräg gedruckte Texte, von einer weiblichen Stimme vorgelesen werden.

<style type="text/css">
B {voice-family: male;}
I {voice-family: female;}
</style>


Für die Festlegung des Sprechers ist die Eigenschaft voice-family verantwortlich. Die möglichen Werte sind male für männlich und female für weiblich. Eine Kinderstimme kann durch child erzeugt werden.

Sprechgestaltung mit ACSS

Der speech-rate-Befehl gibt an, wie schnell der Inhalt ausgegeben werden soll. Es gibt dafür mehrere festgelegte Werte.

<style type="text/css">
B {voice-family: male; speech-rate: fast}
I {voice-family: female; speech-rate: medium}
</style>


Weitere mögliche Werte:

fast
300 Wörter pro Minute
faster
Erhöht die Geschwindigkeit um 40 Wörter pro Minute
medium
180 bis 200 Wörter pro Minute
slow
120 Wörter pro Minute
slower
Verlangsamt die Geschwindigkeit um 40 Wörter pro Minute
x-slow
80 Wörter pro Minute
x-fast
500 Wörter pro Minute

Außerdem kann man z.B. definieren, in welcher Tonhöhe ein Text ausgegeben werden soll. Hierfür gibt es in ACSS die pitch- Eigenschaft.

<style type="text/css">
B {voice-family: male; pitch: 10kHZ }
I {voice-family: female; pitch: 14kHZ}
</style>


Die Angabe der Frequenz erfolgt in KHz. Der Hörbereich des Menschen liegt nach Wissenstand des Autors zwischen 2 und 20 kHz.

Lautstärke

Über die volume-Eigenschaft kann die Lautstärke angegeben werden. Somit können z.B. Schreie oder Flüstern modelliert werden. Zudem kann man z.B. eine Männerstimme im Vergleich zu einer Frauenstimme als lauter definieren.

<style type="text/css">
B {voice-family: male; volume: loud }
I {voice-family: female; volume: medium}
</style>


loud
Laut
medium
Normal
silent
Kein Klang
soft
Leise
x-loud
Sehr laut
x-soft
Sehr leise

Die Lautstärke kann auch in % angegeben werden. Hierbei ist 100% die lauteste Lautstärke.

<style type="text/css">
B {voice-family: male; volume: 75% }
I {voice-family: female; volume: 50%}
</style>


Es gibt weitere Eigenschaften, die angeben, wie ein Text ausgegeben werden soll. Über die speak-Eigenschaft kann definiert werden, ob ein Text z.B. buchstabiert oder fließend gesprochen werden soll.

<style type="text/css">
p { speak: normal }
img { speak:none; }
abbr { voice-family: male; volume: 50%; speak: spell-out}
</style>


Hiermit wird angegeben, dass Abkürzungen buchstabiert werden, die im HTML-Code durch den Tag <abbr> als Abkürzung ausgezeichnet wurden. Bilder werden gar nicht "ausgegeben", Blocksätze werden "normal" ausgegeben. Bei den Bildern steht man vor dem Problem, dass sie ein alt-Attribut haben, welches ausgegeben werden könnte.
Die ACSS-Eigenschaft speak-punctuation gibt an, ob Satzzeichen mit ausgegeben werden sollen. Bei Quellcodes für Programmiersprachen ist dies notwendig. Quellcodes sollten deshalb immer mit dem HTML- Tag <code> ausgezeichnet werden. Die Eigenschaft speak-punctuation kann entweder auf code oder auf none gesetzt werden.

<style type="text/css">
code { speak: normal; speak-punctuation: code;}
</style>


Desweiteren kann festgelegt werden, wie Zahlen ausgegeben werden sollen. Zum einen können die Zahlen komplett ausgegeben werden, zum andern die einzelnen Ziffern hintereinander.
Dies wird durch die ACSS-Eigenschaft speak-numeral erreicht.

<style type="text/css">
em.zahl { speak: normal; speak-numeral: continuous;}
</style>


Zahlen, die im HTML Code z.B. mit <em class="zahl">2002</em> ausgezeichnet sind, werden fließend ausgegeben. Möchte man die Ziffern hintereinander ausgeben, muss die Eigenschaft auf digits gesetzt werden.

Betonungen und andere Auszeichnungen

Auch betontes Sprechen kann mit ACSS gestaltet werden. Über die richness-Eigenschaft wird die Helligkeit einer Stimme beschrieben. Ein niedriger Wert gibt eine weiche, zarte Stimme an, ein hoher Wert eine rauhe, starke Stimme.
Desweiteren gibt es in ACSS die stress-Eigenschaft. Über diese Eigenschaft kann man bestimme Texte oder Abschnitte stärker betonen.
Beide Eigenschaften können Werte zwischen 1 - 100 annehmen.

<style type="text/css">
em { speak: normal; richness: 35;}
strong { speak: normal; stress: 80;}
</style>


Bei diesem Beispiel werden emphatische Texte "weich" ausgelesen, fett gedruckte Texte werden stärker betont.

Dies sind natürlich nicht alle ACSS-Befehle. Ziel dieses Artikels war es nur, auf die vielfältigen Möglichkeiten von ACSS hinzuweisen. Setzen Sie sich mit den Möglichkeiten auseinander, die ACSS zur akustischen Seitengestaltung bietet und bauen sie diese Elemente in Ihre Quelltexte ein. Damit ermöglichen Sie sehbehinderten Menschen in Zukunft einen besseren Zugang zu ihren Seiten.

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